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Foraging/Wildcrafting

Foraging – Die Natur als Vorratskammer: Wildkräuter, Beeren, Pilze – die Natur bietet eine Fülle an essbaren Schätzen. Foraging verbindet Genuss, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit. Wer die Regeln kennt und verantwortungsvoll sammelt, entdeckt eine kostenlose, gesunde und faszinierende Art der Ernährung.

Foraging/Wildcrafting

Es ist soweit – die ersten Kräuter, Blätter und Blüten sind zu finden!

Die optimale Zeit zum Sammeln von Kräutern ist gekommen – vorausgesetzt, man besitzt das nötige Wissen. Falls nicht, gibt es Möglichkeiten, es sich anzueignen. Dazu komme ich später.

Foraging, im englischsprachigen Raum auch Wildcrafting genannt – wofür es im Deutschen keinen wirklich passenden Begriff gibt – beschreibt die Nahrungssuche in der freien Natur. Es umfasst das Sammeln tierischer und pflanzlicher Ressourcen. Im Folgenden beziehe ich mich auf Pflanzen und Pilze, da dies konfliktfreier ist, auch wenn einige gesetzliche Regelungen zu beachten sind.

Das Sammeln ist wohl die ursprünglichste Art der Nahrungssuche. Es ist ein instinktiv verankertes Verhalten, das aus Zeiten vor der Menschwerdung stammt. Unsere Vorliebe für Süßes, Fettiges und Eiweißhaltiges, die Auffälligkeit roter und gelber Farben – die Reife signalisieren –, unsere Liebe zu üppigen Gärten und die Neigung, Schnäppchen zu jagen, den Kühlschrank zu füllen und im Supermarkt verlockend aussehende Dinge in den Einkaufswagen zu legen, all das basiert auf unseren Überlebensstrategien aus der Zeit, als wir uns noch direkt am Buffet der Natur bedienen konnten.

Pilze sammeln, Brunnenkresse ernten, Holundersirup und Marmeladen herstellen – in ländlichen Regionen war dies lange selbstverständlich. Eine Zeit lang schien dieses Wissen in Vergessenheit geraten zu sein, doch moderne Bewegungen wie die „essbare Stadt“ verbinden ökologische und soziale Aspekte mit neuen Ansätzen.

Foraging:

  • stärkt unsere Unabhängigkeit vom modernen Wirtschaftssystem (ohne in Prepper-Kreise abzudriften, finde ich es dennoch wichtig, zu wissen, wie man kostenlose vitaminreiche Lebensmittel und Hausmittel für kleinere Beschwerden vor der eigenen Haustür findet),
  • bietet ein entschleunigendes, alle Sinne schärfendes und seelisch wie körperlich anregendes Erlebnis,
  • fördert das unmittelbare Erleben der Selbstwirksamkeit,
  • lehrt Aufmerksamkeit, Konzentration und Unterscheidungsvermögen und unterstützt die mentale Entwicklung,
  • regt zur Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber der Natur an,
  • zeigt, dass die standardisierten Lebensmittel im Supermarkt nicht „normal“ sind, sondern dass die Natur eine fast unendliche Vielfalt hervorbringt,
  • bietet einzigartige Geschmackserlebnisse und eine extrem frische, vitaminreiche Ernährung – die nichts kostet außer Zeit.

Grundsätze des Sammelns in der Natur

Gesetzliche Regelungen und Naturschutz:

Laut der aktuellen „Handstraußregelung“ des Bundesnaturschutzgesetzes darf jeder wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf entnehmen. Genauere Informationen finden Sie hier: Bundesnaturschutzgesetz §39.

„Pfleglich entnehmen“ bedeutet, Pflanzen und Pilze nicht unnötig zu beschädigen und nur so viel mitzunehmen, wie man tatsächlich benötigt. Frühblüher sind beispielsweise eine wichtige Nahrungsquelle für die ersten Insekten im Jahr und sollten möglichst stehen gelassen werden.

Auch innerhalb von Siedlungsgebieten kann geerntet werden. Viele öffentliche Grünanlagen bieten dafür Gelegenheiten. Inspirierende Anregungen und eine interaktive Karte gibt es unter: mundraub.org.

Eine weitere Möglichkeit ist es, wilde Ecken im eigenen Garten zu schaffen und die dort wachsenden Pflanzen zu nutzen. So wird das eigene Grundstück gleichzeitig ökologisch aufgewertet.

Beim Betreten der Natur ist Vorsicht geboten, um möglichst wenig Schaden anzurichten. Viele wissen nicht, dass beispielsweise Tuffsteinquellen und -bäche – wie im Isartal – Jahrzehnte benötigen, um sich von einem einzigen Tritt zu erholen. Auch seltene Pflanzen werden oft übersehen. Während der Brut- und Setzzeit sollte zudem auf das Betreten von hohem Gras und dichten Hecken verzichtet werden.

Machen Sie sich mit Bestimmungsbüchern oder Apps kundig, ob eine Pflanze unter Naturschutz steht. Falls ja, muss sie leider unberührt bleiben – aber die Freude, eine seltene Art entdeckt zu haben, bleibt.

Eigenschutz:

  • Sammeln Sie nicht in der Nähe stark befahrener Straßen oder auf „Hundewiesen“.
  • Waschen Sie das Sammelgut gründlich.
  • Achten Sie auf die richtige Zubereitung: so sind z.B. Holunderbeeren gekocht köstlich, aber roh giftig.
  • Nutzen Sie ein gutes Bestimmungsbuch und suchen Sie nach Rezepten für Ihre Funde.
  • Sammeln Sie nur, was Sie hundertprozentig erkennen können. Falls unsicher, fragen Sie eine fachkundige Person oder besuchen Sie einen Bestimmungskurs.
  • Besondere Vorsicht gilt bei Pilzen – im Zweifel lieber eine Pilzberatungsstelle aufsuchen!
  • Schützen Sie sich vor Zecken und Sonnenbrand.

Dann steht köstlichen Mahlzeiten aus der wilden Natur nichts mehr im Weg!

Guten Appetit und viel Spaß!

Wenn Sie im Raum München wohnen, kann ich Ihnen Naturraum-Coaching anbieten. Näheres erfahren Sie unter lichterlohcoaching.de. Als zertifizierte Naturmentorin kann ich Foraging in den Coachingprozess einbinden.